
Herbert Drechsel
Diese Seite widmet sich dem musikalischen Gedenken an meinen Vater (*22.9.1930 im Kölner Severinsklösterchen, +14.4.2025 in Monheim am Rhein), Pianist und Professor für Klavier und Kammermusik an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf.
Ein Nachruf der RSH, den Thomas Leander, sein ehemaliger Student und jetziger Rektor der RSH verfasst hat, findet sich hier: https://www.rsh-duesseldorf.de/aktuelles/artikel/2057-wir-trauern-um-prof-herbert-drechsel
Pianist
Nach erster Unterweisung durch seine Mutter Herma Drechsel und in der Klavierklasse einer Frau Damm an der Rheinischen Musikschule Köln von 1938 bis 1940, erfolgte die pianistische Ausbildung meines Vaters von 1941 bis 1954 in Köln bei Mary Jansen-Füssel (Schülerin von Max van de Sandt und Rudolf Maria Breithaupt sowie Enkelschülerin von Clara Schumann), bei der er einige Jahre auch wohnte.
Die Konzerttätigkeit mit Klavierabenden und Rundfunksendungen startete 1947, im Januar 1949 folgte der erste Auftritt mit Orchester, auf dem Programm der Totentanz von Franz Liszt unter Leitung von GMD Dr. Felix Raabe. Es folgten 1950 eine Tournee durch Süd-Schweden und vom 30. Dezember 1954 bis 21. Juni 1955 eine große Amerika-Tournee als erster deutscher Pianist der Jeunesses musicales mit mehr als 60 Konzerten in Kanada, Kuba, Haiti und Brasilien.
1952 erhielt er ein Diplom beim ersten Internationalen Musikwettbewerb der Rundfunkanstalten der BRD, 1955 war er Finalist beim Internationalen Klavierwettbewerb in Genf. Als Gast der ungarischen Regierung anlässlich des Franz-Liszt-Wettbewerbs 1956 gab er am 22. Oktober 1956 zusammen mit Lazar Berman einen geteilten Klavierabend in Budapest, einen Tag vor dem dortigen Volksaufstand, der dazu führte, dass er zunächst nicht ausreisen konnte und so für eine Zeit Fahrer der indischen Botschaft wurde.
Von 1964 bis 1971 war mein Vater pianistischer Mitarbeiter der Professoren Franziska Martienßen-Lohmann, Paul Lohmann und Elisabeth Grümmer bei den Meisterkursen für Gesang der Internationalen Muskfestwochen Luzern.
Kammermusikpartner meines Vaters waren die Geiger Sandor Végh und Henryk Szeryng, die Bratscher Georges Janzer, Vidor Nagy und Jürgen Kussmaul, der Klarinettist Franz Klein sowie die Sänger Ingeborg Reichelt, Wolfgang Anheisser, Edmund Illerhaus und Siegmund Nimsgern.
Ab 1971 konzertierte er mit meiner Mutter Ruth Drechsel-Püster als Klavierduo.
Professor
Ab 1. Oktober 1963 war mein Vater zunächst nebenberufliche und ab 1. Oktober 1964 hauptberufliche Lehrkraft am Robert-Schumann-Konservatorium Düsseldorf, 1972 wurde er zum Professor ernannt. Mitte der 1980er Jahre war er in seiner Funktion als stellvertretender Dekan (ab 1.6.1985) zusammen mit dem Dekan Helmut Kirchmeyer und der damaligen Landtagspräsidentin Ingeborg Friebe maßgeblich dafür verantwortlich, dass das „Robert-Schumann-Institut der Staatlichen Hochschule für Musik Rheinland“ am 20.10.1987 zu einer eigenständigen Hochschule wurde. Ab dem 22.11.1987 bis zum Erreichen des Ruhestands 1995 war er Prorektor der Robert-Schumann-Hochschule. Anschließend unterrichtete er noch einige Studenten im Lehrauftrag bis 2002 weiter.
Hier eine alphabetische Liste einiger ausgewählter Studenten im Solofach Klavier:
Joszef Acs (WiSe 1975/76 bis SoSe 1981), erhielt 1976 den 1. Preis beim Deutschen Musikwettbewerb
Thomas Blomenkamp (WiSe 1974/75 bis WiSe 1982/83)
Vera Frings (geb. Strutschenkowa) (SoSe 1996 bis WiSe 1999/2000)
Uwe Künstler (WiSe 1981/82 bis WiSe 1988/89)
Thomas Leander (WiSe 1970/71 als Jungstudent bis WiSe 1986/87 zum Konzertexamen)
Esther Park (SoSe 1991 bis WiSe 1999/2000)
Ralf Schneider (WiSe 1988/89 bis SoSe 1998)
Sofia Schubert (SoSe 1997 bis SoSe 2000)
Jouni Somero (SoSe 1983 bis SoSe 1989)
Heinz-Jacob Spelmanns (WiSe 1970/71 bis SoSe 1972), erhielt 1972 die silberne Medaille beim Internationalen Musikwettbewerb in Barcelona
Erich Theis (WiSe 1976/77 als Jungstudent bis WiSe 1985/86 zum Konzertexamen)
Anna Walachowski (WiSe 1989/90 bis SoSe 1994)

